Lyngsalpen – eine faszinierende Bergwelt
Die Ostseite der Lyngsalpen
Eine faszinierende Entdeckung – mitten in Norwegens überwältigender Landschaft!
Nach eindrucksvollen Tagen in der Natur Nordnorwegens erreichen wir am späten Nachmittag die majestätische Bergwelt der Lyngsalpen – ein steil aus dem Meer aufragendes, von Gletschern überzogenes Massiv. | Die kleine gemütliche Hütte auf der Landzunge Spåknes |
Blick auf die Ostseite der Lyngsalpen
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Die Lyngen-Kommune – Naturgewalt und nordische Stille Die Lyngen-Kommune liegt im Norden Norwegens, im Verwaltungsbezirk Troms Fylke. Sie umfasst den nördlichen Teil der Halbinsel zwischen dem Ullsfjord und dem Lyngenfjord. Der Name Lyngen geht auf das altnorwegische Wort Lygnir zurück, was „Stille“ bedeutet – ein treffender Name für eine Region von majestätischer Ruhe und unberührter Natur. Rund 3.200 Menschen leben in der Kommune, die sich über eine Fläche von etwa 810 Quadratkilometern erstreckt. Was Lyngen besonders macht, ist seine eindrucksvolle Landschaft: mächtige Berge, eingerahmt von tief eingeschnittenen Fjorden, formen eines der spektakulärsten Naturgebiete Norwegens. Die geologische Geschichte der Region reicht rund 430 bis 380 Millionen Jahre zurück. Das Gebiet besteht größtenteils aus hartem, magmatischem Tiefengestein kaledonischen Ursprungs. Während der letzten Eiszeit wurde die Landschaft stark von Gletschern geformt – deren Überreste bedecken bis heute weite Teile des Hochfjells. Der höchste Gipfel der Region ist der Jiehkkevarre, der 1.833 Meter über dem Meer aufragt. Das Gelände ist wild und herausfordernd – nur erfahrene Bergsteiger wagen sich an die steilen, felsigen Hänge dieser beeindruckenden Bergwelt. | Trotz der rauen Natur finden sich in den Tälern fruchtbare Flächen, die landwirtschaftlich genutzt werden. Entlang des Lyngen- und Ullsfjords bildet der Fischfang nach wie vor die wichtigste Lebensgrundlage der Bevölkerung. Ergänzt wird die lokale Wirtschaft durch kleinere Betriebe der Kunststoff- und Eisenindustrie, die in der Kommune ansässig sind. |
Neue Abenteuer erwarten uns
Autofähre Olderdalen nach Lyngseidet
Auf dem Weg zur Hütte
Von Olderdalen nach Lyngseidet
Wir stehen am Fähranleger in Olderdalen und warten auf die Fähre nach Lyngseidet. Die letzten Augusttage sind angebrochen, und es herrscht kaum Betrieb. So müssen wir nicht lange warten, um an Bord zu kommen. Vom Oberdeck aus genießen wir den Blick auf die Umgebung. Vom leichten Westwind bewegt, schieben sich Wolken vor die Sonne – doch immer wieder gelingt es ihr, ihr gleißendes Licht über den Fjord zu werfen.
Gespannt blicken wir hinüber zur Westseite der Halbinsel. Welche Landschaft wird uns dort erwarten? Gibt es gute Wandermöglichkeiten, vielleicht eine gemütliche Unterkunft? Schon bei unseren Reisevorbereitungen haben wir festgestellt, dass es nur wenige Informationen über die Lyngsalpen gibt. Vor uns breitet sich das mächtige Eisfeld des Kjosbreen aus. Lyngseidet ist nicht mehr weit – der Ort liegt in einem Tal, das die nördliche und südliche Lyngenhalbinsel voneinander trennt.
Dann öffnet sich der Bug der Fähre und erinnert mit seiner Form an das Maul eines Fisches. Wir sind angekommen!
Auf dem Weg zur Ferienhütte
In Lyngseidet spüren wir sofort die wohltuende Ruhe, die Norwegen so besonders macht. Wir lassen alle Fahrzeuge vorbeifahren und schauen uns in aller Ruhe um: eine Tankstelle, einige Geschäfte und – auf einer kleinen Anhöhe mitten im Ort – die Kirche. An der einzigen Kreuzung weisen Schilder den Weg: links nach Narvik, rechts zur Fähre nach Tromsø und Svensby, wo wir während unseres Aufenthalts wohnen wollen.
Schon der kurze Talabschnitt zwischen den beiden Halbinseln begeistert uns. Bis zu 1300 Meter hohe, steil aufragende Felsen mit frisch verschneiten Gipfeln übertreffen all unsere Erwartungen. Die schmale Straße schlängelt sich am Kjosen entlang, einem Seitenarm des Ullsfjords. Dann öffnet sich das Tal: Rechts erstrecken sich zwischen den Felsen Moorflächen, links liegen saftige Weiden mit Schafen. Dazwischen verstreut einige bunte Häuser und Bauernhöfe – kleine Farbkleckse in der herben Landschaft.
Hytta ledig
Auf dem Fjord sehen wir bereits die Autofähre – Svensby ist nicht mehr weit. Der Ort wirkt verträumt, ein paar Häuser reihen sich entlang der Straße. Schnell entdecken wir unsere Unterkunft: Ein Schild mit der Aufschrift hytta ledig signalisiert freie Hütte. Der Besitzer erscheint nur kurz. „Schaut euch alles an, ich komme gleich“, ruft er. Zwei seiner Kühe sind ausgebüxt – der Stall scheint wenig verlockend. Sie stürmen den Abhang hinunter, pflügen durch Johannisbeersträucher und werden erst vor dem Zaun wieder eingefangen.
Dann sind wir an der Reihe. Das Ferienhaus gefällt uns auf Anhieb: geräumig, gemütlich und mit viel Liebe eingerichtet. Über die Miete für die kommenden Tage werden wir uns schnell einig.
Nun können wir in aller Ruhe unser Abendbrot genießen.
Der Fähranleger von Svensby mit dem 1833 Meter hohen Jiekkivarri.
Gegen 21 Uhr, kurz vor Sonnenuntergang, beginnt ein abendliches Naturschauspiel. Das orange-rote Licht der untergehenden Sonne lässt die Wolken und die schneebedeckten Berge erstrahlen. Die Kälte ist vergessen – wir greifen nach Kamera und Stativ, um dieses Geschenk der Natur festzuhalten.
Unglaubliche Erlebnisse
Mosaikartige Muster auf der Wasseroberfläche des Ullsfjords
Immer intensiver verfärben sich Eis und Schnee. Im Fjord spiegeln sich die Wolken, und leichte Wellenbewegungen zaubern mosaikartige Muster auf die Wasseroberfläche des Ullsfjords – ein Schauspiel, das nur die Natur inszenieren kann.
Lyngseidet
Der kleine Hafen von Lyngseide
In Lyngseidet leben rund 800 Einwohner. Bereits im Jahr 1789 erhielt der Ort das Privileg einer Handelsstadt. Die schmale Landenge zwischen den beiden Fjorden ist etwa drei Kilometer lang. Die Entfernung nach Tromsø beträgt rund 70 Kilometer, einschließlich der Fährüberfahrt über den Ullsfjord.
Diese Verbindung gehört zu den ältesten Verkehrswegen der Region Troms und diente früher als Postroute. Zwischen Lyngseidet und Olderdalen verkehrt heute mehrmals täglich eine Fähre. Im Ort selbst finden sich zudem gute Einkaufsmöglichkeiten.
Die Kirche in Lyngseidet
An zentraler Stelle im Ort steht die Kirche. Daran angeschlossen ist eine kleine Parkanlage.
Die Kirche von Lyngseidet bildet das geistliche Zentrum der Pfarrgemeinde Lyngen. Sie wurde vom deutschen Architekten Lüdke entworfen und im Jahr 1752 eingeweiht. Die Gemeinde gehört der lutherischen Konfession an. Das Innere der Kirche ist schlicht, zugleich aber mit viel Geschmack gestaltet. Die harmonische Farbgebung wird durch große Fenster betont, die für ein helles, freundliches Licht sorgen.
Die Altartafel ist älter als die Kirche selbst. Sie wurde vom deutschen Maler Gottfried Ezekiel geschaffen. Zu den Besonderheiten des Kirchenraums zählen zwei große, gusseiserne Öfen, die bis in die 1950er-Jahre während der kalten Jahreszeit in Betrieb waren.
Dank privater Spenden konnte das Gotteshaus nach Kriegsende wieder instand gesetzt werden.
Der Weckhammer und Spuckbecher
Auf der linken Seite des Altarraums hängt ein sogenannter Weckhammer. Mit der fast zwei Meter langen Stange (unter dem Bild in der Ecke) und einem hölzernen Hammerkopf wurde er früher verwendet, um schlafende Gottesdienstbesucher sanft zu wecken. Da viele Gemeindemitglieder ein hartes, arbeitsreiches Leben führten und oft einen weiten Weg zur Kirche zurücklegen mussten, war das Einnicken in der warmen Kirche keine Seltenheit. Ein leichter Schlag mit dem Hammer genügte, um die Betroffenen wieder aufmerksam werden zu lassen.
In der Sakristei werden zahlreiche Weinkelche aufbewahrt, sodass jeder Teilnehmer des Abendmahls einen eigenen Becher erhält. Früher stellte man zusätzlich Spuckbecher bereit, damit Kautabaknutzer ihren Tabak diskret entsorgen konnten, ohne den Fußboden zu verunreinigen.
Kirchenschiff und Altarraum
Kirche als Pferdestall
Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Kirche von den deutschen Besatzungstruppen als Pferdestall genutzt; auf den Emporen hielt man Schweine. Dank privater Spenden konnte das Gotteshaus nach Kriegsende wieder instand gesetzt werden.
Heute sind Besucher herzlich willkommen – eine Besichtigung ist unbedingt zu empfehlen.
Spaziergang im Park
Seitlich führt ein schmaler Fußweg an der Kirche vorbei und endet im kleinen Park von Lyngseidet. Wir spazieren durch eine gepflegte Anlage mit sattgrünen Rasenflächen und farbenfrohen Blumenbeeten. Bänke und Spielgeräte laden zum Verweilen ein, während ein Teich mit Wasserpflanzen und ein kleiner Bachlauf das gärtnerische Können eindrucksvoll unterstreichen.
Immer wieder staunen wir über die Blütenpracht in dieser Region nördlich des Polarkreises. Ein Spaziergang durch diese liebevoll gestaltete Parkanlage ist unbedingt empfehlenswert.
Spaziergang
Bauernhofmuseum Lyngen
Das Bauernhofmuseum in Svensby hat am Ufer des Ullfjords einen wunderbaren Platz.
Das Bauernhofmuseum von Lyngen – auch bekannt als Alf Gamsletts Sammlungen – ist ein typischer Fischerbauernhof, der aus mehreren Gebäuden besteht. Auf dem Gelände befinden sich unter anderem ein traditionelles Holzhaus mit zwei Zimmern, ein Pferdestall, ein Bootshaus sowie ein rekonstruierter Kuhstall. Die Sammlung geht auf Alf Gamslett zurück, der sein ganzes Leben an diesem Ort verbrachte und um 1930 mit dem Sammeln begann. Dank seiner systematischen Vorgehensweise erhalten Besucher heute einen anschaulichen Einblick in den Alltag der früher hier lebenden Fischer und Bauern. Das Museum liegt in Svensby, unweit des Fähranlegers, direkt am Ufer des Ullfjords – an der Straße 91 in Richtung Jægervatn. Eine historische Zeichnung vermittelt einen Eindruck von der damaligen Epoche. |
Alf Gamsletts Sammlungen – ein typischer Fischer-Bauernhof und bestehend aus mehreren Gebäuden.
Mehr von den Lyngsalpen. Auf Entdeckungstour in beeindruckender Natur. Wandern in den Lyngsalpen.
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Copyright Text und Fotos E. u. P. Westerwalbeslo




































