Fotografie - Natur, Kultur und Geschichte
von Gruiten


Von der Düsselquelle nach Wuppertal-Schöller

Eine persönliche Einführung in die Internetseiten der Düssel

Der kleine Fluss Düssel liegt uns seit vielen Jahren besonders am Herzen. Aus dieser persönlichen Verbundenheit entstand die Idee, die Düssel mit ihren landschaftlichen, kulturellen und geschichtlichen Besonderheiten fotografisch zu begleiten und zu dokumentieren.

Was zunächst als reine fotografische Bestandsaufnahme eines Flusses begann, entwickelte sich im Laufe unserer Recherchen zu einer Reise durch eine überraschend vielfältige Kultur- und Geschichtslandschaft. Entlang der Düssel begegneten uns Orte, Spuren und Geschichten, deren Ursprünge teilweise bis ins Mittelalter zurückreichen. So entstand Schritt für Schritt eine umfangreiche fotografische Sammlung, die weit über die Darstellung eines Flusslaufes hinausgeht. Sie erzählt von Landschaften und Menschen, von Geschichte und Wandel – und von den vielen kleinen Besonderheiten entlang der Düssel.

Die folgenden Seiten verstehen sich bewusst nicht als klassische Internetpräsenz. Vielmehr ist eine digitale Broschüre entstanden, die zum Lesen, Betrachten und Entdecken einlädt. Bilder und Texte stehen dabei in engem Zusammenhang und sollen die Atmosphäre der Orte entlang der Düssel erlebbar machen.

Unsere Fotografien wurden weder inszeniert noch verfremdet. Sie zeigen die Düssel und ihre Umgebung so, wie wir sie vorgefunden haben – authentisch, ruhig und unverstellt. Lediglich für die Darstellung im Internet wurden die Aufnahmen technisch angepasst und aufbereitet.


Die Düssel und die Quelle

Die Quelle der Düssel liegt gut versteckt in Wülfrath-Blomrath an der Stadtgrenze zu Velbert-Neviges. Auf einem kleinen, von dichten Hecken eingerahmten Grundstück haben wir sie erst nach längerer Suche gefunden. Auf einer Steintafel steht: „Hier entspringt die Düssel.“

Es ist bereits einige Jahre her, dass der Heimatverein Düsseldorfer Jonges den ursprünglichen Quellbereich instand gesetzt und wieder zugänglich gemacht hat. Der dabei entstandene steinerne Aufbau wirkt fast wie ein Denkmal. Aus einem Wasserrohr in einem recht großen Stein rinnt allerdings nur an den Wochenenden etwas Wasser. Eine Quelle, die eigentlich keine mehr ist, bietet einen eher bedrückenden Anblick. So bleibt zumindest eine gewisse Illusion erhalten. Der Grund für das Versiegen der Düsselquelle liegt vermutlich in der Absenkung des Grundwasserspiegels infolge von Baumaßnahmen in der näheren Umgebung.

Der kleine Fluss Düssel hat der Landeshauptstadt Düsseldorf ihren Namen gegeben und mündet dort nach etwa 40 Kilometern in den Rhein. Auf ihrem Weg dorthin hat sie sich im Laufe der Jahrtausende durch das Kalksteingebiet gegraben und die Landschaft geprägt. Erst der Mensch griff massiv in den Flusslauf und die Natur ein und zerstörte diese teilweise unwiederbringlich. Noch vor zweihundert Jahren schwärmte man von der Schönheit des Neandertals, das damals den Namen Gesteins trug. Maler der Düsseldorfer Malerschule waren fasziniert von der Einzigartigkeit dieser Landschaft. Heute lässt sich die ursprüngliche Schönheit des Flusses nur noch an wenigen Stellen erahnen.

Am Ende des Neandertals kann sich die Düssel noch einmal frei entfalten, bevor sie in Erkrath wieder in ein künstliches Flussbett gezwungen wird. Anschließend fließt sie durch Wiesengelände, um in Düsseldorf schließlich – teils unterirdisch, teils oberirdisch in verzweigten Kanälen – in den Rhein zu münden.

Die alte Düsselquelle


Von Schlupkothen nach Aprath

Die ursprüngliche Düsselquelle ist uns nun bekannt. Das heutige Quellgebiet liegt etwas versteckt in einem Waldgebiet unterhalb der alten Quelle nahe Schlupkothen, einem Ortsteil von Wülfrath. Im Tal vereinen sich mehrere Rinnsale zu einem kleinen Bach, der fortan den Namen Düssel trägt und durch die landschaftlich reizvolle und geschichtsträchtige Region des heutigen Neanderlands fließt.

Wer Lust auf eine Wanderung entlang dieses zunächst kaum wahrnehmbaren Baches bis zum Wülfrather Ortsteil Schlupkothen hat, wird besonders im Herbst mit dem Gefühl belohnt, durch einen Zauberwald zu gehen. Die Farbenpracht der Natur lässt uns innehalten – selbst der Lärm der nahegelegenen Autobahn tritt dabei in den Hintergrund.

Bald lichtet sich der Wald, und vor uns öffnet sich ein weiter Abhang. Wir genießen den Blick über die Landschaft: In der Ferne erkennen wir Aprath, ebenfalls ein Ortsteil von Wülfrath, und dahinter Wuppertal. Auf einem Wirtschaftsweg angekommen, unterqueren wir eine ehemalige Eisenbahntrasse, die heute als Panoramaweg Niederbergbahn zu einem beliebten Rad- und Fußweg ausgebaut ist.

Unser Weg führt weiter unter der mächtigen Brücke der Autobahn A536 hindurch bis zur Stippelsmühle, der ersten Mühle am Oberlauf der Düssel. Heute wird das Fachwerkhaus als Wohngebäude genutzt – die Zeit der Wassermühlen ist längst vergangen. Hier treffen wir auch wieder auf die Düssel, die inzwischen zu einem lebhaft dahinfließenden Bach angewachsen ist. Auf ihrem Weg nach Aprath nimmt sie weiteres Wasser aus Zuflüssen auf und entwickelt sich allmählich zu einem kleinen Fluss.

Bevor wir der Düssel weiter folgen, besuchen wir jedoch den nur wenige hundert Meter von der Stippelsmühle entfernten Ort Schlupkothen mit seiner interessanten Industriegeschichte. Entlang der Straße stehen noch zahlreiche Siedlungshäuser aus dem vergangenen Jahrhundert. Hier lebten einst Arbeiter mit ihren Familien, die im nahegelegenen Steinbruch unter harten Bedingungen tätig waren. Oberhalb der Straße erhebt sich der Turm der Kirche St. Barbara. Sie wurde errichtet, um den Gläubigen aus Schlupkothen den weiten Weg zum Gottesdienst nach Düssel oder Wülfrath zu ersparen.

Von der Kirche aus bietet sich ein eindrucksvoller Blick auf das ursprüngliche Industriegelände der Rheinischen Kalksteinwerke GmbH Wülfrath. Es wurde 1903 von Thyssen und Krupp übernommen. Heute befindet sich dort neben industriellen Anlagen auch ein modernes Kommunikationszentrum.

Die Wanderung zum Wülfrather Ortsteil Schlupkothen wird besonders im Herbst mit dem Gefühl belohnt, durch einen Zauberwald zu gehen.


Schlupkothen und der Kalksteinbruch


Die katholische Kirche St. Barbara prägt das Ortsbild von Schlupkothen.


Von der Kirche aus bietet sich ein guter Überblick über das ursprüngliche Industriegelände der Rheinischen Kalksteinwerke GmbH in Wülfrath.

1903 wurde es von Thyssen und Krupp erworben; neben den Industrieanlagen entstand dort später ein modernes Kommunikationszentrum.“


Einige der historischen Siedlungshäuser in Schlupkothen sind bis heute erhalten.

Der Steinbruch

Der Kalksteinbruch Schlupkothen war vor etwa 400 Millionen Jahren ein Korallenriff in der Nähe des Äquators. Im warmen, sauerstoffreichen Wasser der Lagunen herrschten ideale Wachstumsbedingungen. Aufgrund der kurzen Lebensdauer der Korallen konnten auf den abgestorbenen Kalkskeletten kontinuierlich neue Korallen wachsen. Dieser Prozess dauerte rund fünf Millionen Jahre – genug Zeit, um gewaltige Riffe entstehen zu lassen.

Durch das Absinken des Meeresbodens veränderten sich die Lebensbedingungen. Die einstige Lagune verschwand, die Riffe starben ab und wurden von mächtigen Sedimentschichten überdeckt. Unter dem hohen Druck verfestigten sich diese Ablagerungen zu Kalkstein. Im Laufe von Millionen Jahren drifteten die Kontinentalplatten in Richtung Mitteleuropa, wodurch sich das heutige Festland und seine Gebirge formten. Erst durch langanhaltende Erosion wurden die Kalksteinschichten schließlich wieder freigelegt.

Schlupkothen und der Kalkstein

Schon früh erkannten Unternehmer die Bedeutung dieses Gesteins. Kalk ist ein vielseitiges Naturprodukt und wird in zahlreichen Industriezweigen eingesetzt. Im Jahr 1898 erwarb August Thyssen 108 Hektar Land in Schlupkothen und begann mit dem Abbau von Kalkstein. Allein die Hüttenindustrie in Duisburg und Mülheim benötigte damals jährlich rund 100.000 Tonnen Kalk für die Eisenerzverhüttung.

1903 wurden die Rheinischen Kalksteinwerke GmbH Wülfrath gegründet, die später in Rheinkalk GmbH umbenannt wurden. In den Anfangsjahren war die Arbeit im Steinbruch äußerst hart und gefährlich. Sprenglöcher mussten gebohrt, Gesteinsmassen zerkleinert und sortiert werden. Förderbänder transportierten das Material aus den Tiefen des Steinbruchs nach oben, wo es in speziellen Öfen weiterverarbeitet wurde.

Bereits 1906 lag die Jahresproduktion bei 330.000 Tonnen Kalkstein. Im Jahr 1926 wurde der Steinbruch Schlupkothen zum ersten vollmechanisierten Kalksteinbruch Europas ausgebaut, wodurch die Fördermenge rasch auf eine Million Tonnen jährlich anstieg. 1969 wurde der Betrieb schließlich eingestellt, da der Abbau nicht mehr rentabel war. In den rund 60 Jahren Betriebszeit wurden insgesamt etwa 45 Millionen Tonnen Kalkstein gefördert. Die tiefste Sohle der Grube lag dabei rund 70 Meter unter dem ursprünglichen Geländeniveau.

Die Natur kehrt zurück

Nachdem die meisten Betriebsanlagen abgebaut worden waren, eroberte sich die Natur das Gelände zurück. Auf den Halbinseln im Steinbruch siedelten sich Birken an, während an den Steilwänden Farne und Moose wuchsen. Der Grund des Steinbruchs füllte sich mit Wasser, sodass ein See entstand, der an einigen Stellen bis zu fünf Meter tief ist. In ihm wurden heimische Fischarten angesiedelt.
Auch zahlreiche Tierarten fanden hier einen neuen Lebensraum: verschiedene Vogelarten, Libellen, Schmetterlinge und Fledermäuse. Wasservögel nutzen das Gebiet zudem als Brutplatz. Im Jahr 1984 wurde der Steinbruch Schlupkothen schließlich unter Naturschutz gestellt.

Besucherinnen und Besucher haben heute die Möglichkeit, die Landschaft auf gut ausgebauten Wanderwegen zu erkunden. Zwei Aussichtsplattformen bieten eindrucksvolle Blicke in die Tiefe der ehemaligen Grube. Besonders reizvoll ist eine Wanderung im Herbst, wenn sich die Umgebung in leuchtenden Farben zeigt.

Steinbruch Schlupkothen


Aprath und der Mühlenteich

Aprather Mühlenteich

Die aus massiven Feldsteinen gebaute Mühle stammt aus dem Jahr 1850. Sie ist seit 1956 außer Betrieb.

Inzwischen kann man in der Mühle wieder Kaffee trinken und Naturprodukte kaufen.

Weiter führt der Weg entlang der Düssel bis zum Aprather Mühlenteich. Um einer Verlandung vorzubeugen, wurde der Teich vor einigen Jahren trockengelegt und vom Schlamm befreit.

Im hinteren Bereich, dort, wo die Verlandungszone beginnt, wachsen Pflanzen, die sich in sumpfigem Gelände besonders wohlfühlen. Frösche und Kröten finden hier ideale Bedingungen zum Laichen. Für Vogelarten wie Graureiher und vereinzelt auch Silberreiher ist der Tisch reich gedeckt. Stockenten, Kanadagänse und Rallen nutzen den Teich als Brutgebiet und ziehen in der geschützten Umgebung ihren Nachwuchs groß.

Bereits zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts war Aprath ein beliebtes Ausflugsziel. Der Mühlenteich gehörte zum Schloss Aprath, dessen Besitzer Carl Rumpff Abgeordneter des preußischen Landtags war. An schönen Tagen lud eine Bootsfahrt im Ruderboot zur Erholung ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg verfiel das einst prächtige Anwesen zusehends und wurde schließlich 1986 abgerissen.

Es wird vermutet, dass der Teich ursprünglich als Staubecken für die noch heute als Bauwerk erhaltene Kornmühle diente. Auf diese Weise konnte sie unabhängig vom Wasserstand der Düssel betrieben werden. Im Jahr 1504 erklärte Herzog Wilhelm II. von Berg die Mühle zur Bannmühle. Damit wurden die Bauern verpflichtet, ihr Getreide dort mahlen zu lassen. So waren dem Grundbesitzer sowohl ausreichend Arbeit als auch regelmäßige Einnahmen gesichert.

Im Jahr 1504 erklärte Herzog Wilhelm II. von Berg die Mühle zur Bannmühle. Damit wurden die Bauern verpflichtet, ihr Getreide dort mahlen zu lassen. So waren dem Grundbesitzer sowohl ausreichend Arbeit als auch regelmäßige Einnahmen gesichert.

Die Mühle in ihrem ursprünglichen Zustand existiert heute nicht mehr. Das heutige Gebäude stammt aus dem Jahr 1850 und wurde aus Bruchsteinen aus der Region errichtet. 1956 wurde der Betrieb eingestellt. Mit dem Verfall des Wasserrads war ein Weiterbetrieb schließlich nicht mehr möglich.

Herbstliche Düssel


Auf zwei unterschiedlichen Wegen nach Düssel

Auf dem Weg zu unserem nächsten Halt entzieht sich der Fluss zunächst unseren Blicken. Durch Wiesenlandschaften und verborgen hinter hohen Bäumen fließt die Düssel ruhig und gemächlich in Richtung Düssel, einem Ortsteil von Wülfrath. Um dieses Ziel zu erreichen, bieten sich zwei unterschiedliche Wege an.

Der S-Bahnhof Aprath ist ein idealer Ausgangspunkt für eine Wanderung nach Düssel.

Wer mit dem eigenen Fahrzeug kommt hat auf dem P+R Parkplatz die Möglichkeit unbegrenzt und kostenlos zu parken.

Vor dem Ortsteil Düssel liegt die einzige exis-tierende Furt der Düssel. Sie kann durchfahren werden.

Der erste Weg beginnt am Parkplatz des S-Bahnhofs Aprath. Ein Sandweg führt durch Felder und Wiesen, und schon nach wenigen Schritten eröffnet sich ein weiter Blick über die Kulturlandschaft dieser Region. Die Kirchturmspitzen von Düssel sind bereits zu erkennen, während in der Ferne Wülfrath liegt.

Kurz vor dem Ortseingang erreichen wir die Düsselfurt – eine Besonderheit, die sogar mit dem Auto durchfahren werden kann. Nach wenigen hundert Metern stehen wir vor der Kirche St. Maximin. Sie bildet das Zentrum eines reizvollen Ensembles alter Fachwerkhäuser inmitten der niederbergischen Landschaft.

Die zweite Möglichkeit führt über die Anhöhe auf der gegenüberliegenden Seite Wülfraths. Diese Wanderung beginnt am Aprather Mühlenteich. Nachdem wir die Düssel überquert haben, folgen wir einer schmalen asphaltierten Straße bergauf bis zu einer Weggabelung. Von dort führt ein Feldweg vorbei an Äckern, auf denen verschiedene Feldfrüchte angebaut werden. Schließlich endet der Weg auf einer großen Wiese vor den Friedhöfen von Düssel.

Einige der folgenden Bilder vermitteln einen Eindruck von der stillen Schönheit dieser Landschaft.


Düssel und das Umland


Der historische Ort Düssel

Wir stehen auf dem alten Dorfplatz des Ortes, der den Namen des Flusses Düssel trägt. Vor uns erhebt sich der spitze Turm der Der historische Ort Düsselkatholischen Kirche St. Maximin in den Himmel. Auf der gegenüberliegenden Seite liegt, eingerahmt von malerischen Fachwerkhäusern, die Wasserburg Haus Düssel.

Unser kleiner Rundgang beginnt jedoch am Marktplatz, der sich direkt neben der Hauptstraße in Richtung Wülfrath befindet. Hier, am Ortseingang zum historischen Kern von Düssel, steht am Fachwerkbau der Sparkasse die Bronzestatue des Heimatdichters Carl Schmachtenberg. Mit auf die kleine Mauer gestützten Armen blickt er erwartungsvoll auf das Geschehen um ihn herum. Vielleicht fand er hier Inspiration für seine zahlreichen Gedichte und Texte.

  • Carl Schmachtenberg wurde 1848 auf dem Gut Hugenbruch bei Aprath geboren und starb dort im Jahr 1933. Heute gilt er als bedeutender Heimatdichter des Bergischen Landes. Seine Gedichte und Prosatexte verfasste er in niederbergischer Mundart.


Geschichte und historische Bauwerke

Die erste urkundliche Erwähnung Düssels stammt aus dem Jahr 1065. Wissenschaftler gehen jedoch davon aus, dass hier bereits im 7. oder 8. Jahrhundert Menschen siedelten. Der damalige Wasserlauf trug den Namen „Tussale“. Historiker vermuten, dass sich daraus der heutige Name Düssel entwickelt hat.

Im Jahr 1809 wurde das Dorf – nach wechselnder Zugehörigkeit zu Solingen und später zu Mettmann – der Stadt Wülfrath zugeordnet. Ein Katastrophenjahr war 1570: Eine Feuersbrunst verwüstete den gesamten Ort. Nur die steinernen Gebäude und die durch einen breiten Wassergraben geschützte Wasserburg blieben verschont. Der Graben ist noch heute vorhanden, allerdings ohne Wasser. Im Innenhof der Burg befinden sich heute Wohnungen in den restaurierten Gebäuden.

Historische Fachwerkhäuser

Zwei Kirchen, ein Dorf: St. Maximin und die evangelische Kirche in Düssel

Das Zentrum Düssels bildet die katholische Kirche St. Maximin. Sie steht am alten Dorfplatz und zählt zu den ältesten Kirchen im Bergischen Land. Vermutlich wurde sie um das Jahr 1050 errichtet. Die wachsende Zahl der Gläubigen im 19. Jahrhundert machte eine Erweiterung erforderlich: Das Langhaus wurde umgestaltet und das Querschiff erweitert. Der ursprünglich romanische Turm war baufällig und wurde durch den heutigen ersetzt.

Am Rande des Dorfes, auf einem kleinen Hügel, wurde 1876 die evangelische Kirche eingeweiht. Zuvor feierte die evangelische Gemeinde rund zweihundert Jahre lang ihre Gottesdienste im Kirchhaus am Eyser, direkt neben der katholischen Kirche. Nach sorgfältiger Restaurierung zählt dieses Gebäude heute zu den Schmuckstücken des Ortes.

Die evangelische Kirche ist als Saalbau konzipiert. Holzbänke, Taufbecken und eine Orgel bilden die einzige Ausstattung. An der Stirnseite im Inneren befinden sich zwei Bibelzitate, sonst ist der Raum schmucklos gehalten. Im Jahr 2011 mussten die alten Linden, die den Aufgang zur Kirche säumten, aus Sicherheitsgründen gefällt werden. Ihr schlanker Wuchs ließ den Kirchturm noch höher erscheinen. Inzwischen hat die Gemeinde den Zugang zur Kirche mit Hilfe von Spenden neu gestaltet.

Das äußere Erscheinungsbild der evangelischen Kirche ist eindrucksvoll: Schon von weitem sichtbar wirkt sie größer und massiver als ihr Gegenüber St. Maximin. Dass in diesem kleinen Ort zwei große Kirchen errichtet wurden und jede Konfession zudem ihren eigenen Friedhof besitzt, ist bemerkenswert.

Die Furt – ein Stück lebendige Geschichte an der Düssel

Eine weitere Besonderheit befindet sich am Rande von Düssel auf dem Weg zum S-Bahnhof Aprath. Dort ist ein Stück alter Technik erhalten geblieben: An einer flachen Stelle der Düssel wurde eine Furt angelegt und der Flussgrund mit Steinplatten befestigt. So konnten Pferde und Wagen mit wichtigen Gütern den Fluss auch bei höherem Wasserstand durchqueren. Eine Messlatte zeigt den aktuellen Wasserstand an, sodass Autofahrer sich vor der Durchfahrt informieren können. Bei Hochwasser ist jedoch Vorsicht geboten. Fußgänger erreichen das gegenüberliegende Ufer trockenen Fußes über eine schmale Brücke.


Der kleine Ort Düssel


Auf der Kalkroute nach Schöller

Eine geologische Besonderheit ist der Tillmannsdorfer Sattel. Diese Gesteinsschicht liegt offen direkt an der Landstraße L422 bei Düssel. Auf einer Hinweistafel der Firma Rheinkalk findet sich folgende Erklärung:

  • „Das hier sichtbare Gestein wurde zu Beginn der Steinkohlen-Zeit, der Karbon-Zeit, vor etwa 330 Millionen Jahre zunächst als lockere Masse in einem der Küste vorgelagerten Riff im Meer abgelagert. Im Laufe von Jahrmillionen entstanden hieraus feste Gesteine, der sogenannte ”Kohlenkalk“. Hier in Dornap treten diese Gesteine über dem mitteldevonischen ”Massenkalk“ auf, der die Rohstoffgrundlage der hiesigen Kalksteinproduktion darstellt. Gegen Ende der Karbon-Zeit, vor etwa 290 Millionen Jahren, wurde das bereits verfestigte Gestein im Zusammenhang mit der Bildung des Rheinischen Schiefergebirges zu einem ”Sattel“ aufgefaltet, der heute den Namen ”Tillmannsdorfer Sattel“ trägt."


Auf der gegenüberliegenden Straßenseite treffen wir wieder auf die Düssel. Ruhig und gemächlich fließt sie in Richtung Schöller. Wir genießen die Beschaulichkeit dieser Landschaft – wohl wissend, dass unweit davon die Steinbrüche der ansässigen Kalkindustrie seit Jahrzehnten Lärm und Staub verursachen.

Seit mehr als 100 Jahren wird hier Kalkstein abgebaut und zu Kalk verarbeitet. Hauptabnehmer sind damals wie heute die Eisen- und Stahlindustrie. Auch bei der Herstellung von Glas, Papier und Kunststoffen ist Kalk unverzichtbar. Darüber hinaus spielt er im Umweltschutz eine wichtige Rolle: In den Wäldern wird damit der „saure Boden“ neutralisiert, und in Kraftwerken binden Kalkfilter schädliche Schwefelanteile aus den Rauchgasen. Dies sind nur einige Beispiele dafür, wie bedeutend Kalk für unsere moderne Gesellschaft ist.

 Doch der Kalksteinabbau bleibt nicht ohne Konflikte. Sprengungen verursachen Lärm und Staub, riesige Bagger graben sich immer tiefer in den Boden, und gewaltige Abraumhalden beanspruchen große Flächen. Damit in den tieferen Sohlen gearbeitet werden kann, muss zudem ständig Grundwasser abgepumpt werden – ebenfalls ein erheblicher Eingriff in die Natur.

Die Kalkunternehmen betonen, alles zu tun, um Umweltbelastungen möglichst gering zu halten. Als Beispiel wird angeführt, dass sich in einem der Steinbrüche sogar eine Uhu-Population angesiedelt hat, obwohl dort täglich mit schweren Maschinen Kalkstein gefördert wird. Wir können nur hoffen, dass diese Versprechen eingehalten werden und die außergewöhnliche Natur dieser Landschaft langfristig erhalten bleibt.

Die Landschaften rund um Schöller


Das Rittergut Schöller – ein Kleinod an der Düssel


Ein altes Tor in der Mauer von Gut Schöller.

Die verträumten Fachwerkhäuser mit ihren liebevoll angelegten Blumenbeeten in Wuppertal-Hahnenfurth liegen hinter uns. Wenige Schritte weiter erreichen wir wieder die Düssel. Kinder haben dort Krebse gefangen. Wir sind überrascht und zugleich erfreut, dass Leben dieser Art in diesem Fluss möglich ist. Während wir eine kleine Brücke überqueren und auf der schmalen Nebenstraße nach Schöller wandern, schlängelt sich die Düssel durch weite Wiesenlandschaften. Schon bald treffen wir erneut auf den Fluss und begleiten ihn ein gutes Stück durch einen idyllischen Naturabschnitt. Unterwegs bewundern wir mehrere gepflegte Fachwerkhäuser, bevor uns in Schöller eine ruhige und friedvolle Atmosphäre empfängt.

Die evangelische Kirche

Etwas abseits und hinter einigen Häusern verborgen steht die kleine evangelische Kirche, die aus Bruchsteinen erbaut wurde und aus dem 12. Jahrhundert stammt. Umgeben ist sie vom ehemaligen Friedhof mit seinen alten Grabsteinen. Unter einem stattlichen Kastanienbaum lädt eine Rundbank zum Verweilen ein, die einst vom früheren Bundespräsidenten Johannes Rau gestiftet wurde.

Die alte Kirche in Schöller 
(Der alte Kastanienbaum mit der kleinen Sitzbank darunter existiert leider nicht mehr – auch die Bank hat inzwischen ihren Platz gewechselt.)

Die Einrichtung der Kirche ist schlicht und zweckmäßig gehalten. Im Chorraum befinden sich ein Altartisch sowie davor die Kanzel. Eine Besonderheit stellt die kleine Orgel dar, die an der Wand über dem Chorraum angebracht ist. Der wertvolle Taufstein stammt aus dem 13. Jahrhundert.

Die Stille dieses Gotteshauses lässt die Hektik des Alltags in den Hintergrund treten. Dieses besondere Gefühl kann jeder Besucher in der täglich geöffneten Kirche selbst erleben.

Schöller und seine Bewohner

Eine Urkunde aus dem Jahr 1375 gilt als erster Nachweis für die Existenz von Schöller. Darin wird der Ort als Oberhof des Benediktinerklosters Kloster Corvey an der Weser erwähnt. Erst im Jahr 1430 wurde das Anwesen an den Gutsverwalter Engelbert von Schöller verkauft. Über zwei Jahrhunderte hinweg waren die Hofeigentümer zunächst Ritter und später Grafen zu Schöller am herzoglichen Hof tätig.

Im Jahr 1530 kam es durch das Zusammenwirken von Rütgers von Schöller, dem Humanisten, Pädagogen und Diplomaten Konrad Heresbach sowie dem Dorfpfarrer Rambert von Heinsberg zu einem bedeutenden geistigen Wandel. Schöller wurde protestantisch, und die Gottesdienste fanden fortan nach evangelischem Ritus statt. Das Haus Nummer 3 diente zu dieser Zeit als Schul- und Küsterhaus.
1697 starb mit Wolfgang Wilhelm von Schöller das letzte männliche Mitglied der Familie, wodurch auch der Familienname erlosch. Als hoher Beamter hatte er erneut den katholischen Glauben angenommen und seine Erbtochter Mechtild Maria Margarethe mit dem katholischen Freiherrn und späteren Reichsgrafen von Schaesberg verheiratet.

Im Zuge der Säkularisation wurden 1803 sämtliche kirchlichen Besitztümer eingezogen und verstaatlicht. Damit ging Schöller endgültig in den Besitz der Reichsgrafen von Schaesberg über. Bis heute befinden sich Teile des ehemaligen Ritterguts im Besitz ihrer Nachkommen.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde das alte Rittergut abgerissen; lediglich die Stallungen und der Wehrturm blieben erhalten. Der in Münster lebende Dompropst Johann Friedrich Bernhard von Schaesberg plante einen Neubau, dessen Umsetzung jedoch durch seinen Tod verhindert wurde.

Kaum zu vermuten ist, dass sich im Untergeschoss des Wehrturms eine geweihte Kapelle für Katholiken befindet. Einmal jährlich wird dort für die kleine katholische Gemeinde ein Gottesdienst abgehalten.

Überreste des ehemaligen Ritterguts Schöller

Der Räuberhauptmann Hannes Kob

Im Obergeschoss des Wehrturms hängt vor einer Fensteröffnung ein eiserner Käfig. Mit ihm verbindet sich die Geschichte des Räubers Hannes Kob. Sein Vater galt als Taugenichts und kümmerte sich kaum um seinen Sohn. Lediglich sein Onkel nahm sich des Jungen an und bildete ihn zum Weber aus.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatten die Franzosen das Rheinland besetzt. Ihr Umgang mit der Bevölkerung war oft hart und wenig rücksichtsvoll. Während sich wohlhabende Bauern mit der Besatzungsmacht arrangierten, litt ein großer Teil der Bevölkerung unter Unterdrückung und Not.

In dieser Zeit entstanden zahlreiche Räuberbanden, und Hannes Kob wurde Anführer einer von ihnen. Nachts überfielen sie reiche Gutsbesitzer und zwangen diese notfalls mit Gewalt zur Herausgabe von Gold, Silber und anderen Wertgegenständen. Auf der Flucht fanden sie häufig Unterschlupf bei einfachen Menschen, die im Gegenzug einen Teil der Beute erhielten.

Die Polizei intensivierte schließlich die Fahndung nach den Banden. Bei einem weiteren Überfall wurde einer der Räuber angeschossen und gefangen genommen. Kurz vor seinem Tod verriet er den Namen von Hannes Kob, der daraufhin festgenommen wurde. Unter Folter versuchte man, ihn zur Preisgabe seiner Komplizen zu zwingen. Man sperrte ihn nackt und mit Honig bestrichen in den eisernen Käfig am Turm und ließ in der Hoffnung auf ein Geständnis ein Bienenvolk auf ihn los. Doch trotz aller Qualen schwieg Hannes Kob.

Schließlich wurde er nach französischem Recht zum Tode verurteilt und unweit von Schöller auf der Schöllerheide – einem alten Kult- und Gerichtsplatz – hingerichtet. So wird es zumindest überliefert.


Bitte lesen Sie weiter "Die Düssel - Teil 2"




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Literatur- und Quellennachweis: Nur mit Hilfe der unten aufgeführten Schriften war es uns möglich diese Dokumentation zu verwirklichen:


Bürgerverein Wülfrath-Düssel e.V: Ein historischer Spaziergang durch Düssel, 2003 –  Eggerath, Hanna, Irene Markowitz (†): Im Gesteins, 2. ergänzte und überarbeitete Auflage 2012, Eigenverlag Bergischer Geschichtsverein e. V., ISBN 978-3-925626-39-5  –  Ewenz, Gabriele (Hrsg.), Autobiographische Schriften, in: Johann Wilhelm Schirmer. Vom Rheinland in die Welt, Bd. 2, Petersberg 2010, S. 67  –   Förderverein Haus Am Quall e.V., Arbeitskreis Kultur- und Heimatpflege, Kalkspuren  –   Mettmanner Zeitung 1887  –  Reising, Paul: Neues vom Eulenkopfweg, Wuppertal, Born-Verlag 1994, ISBN 3-87093-068-3  –  wikipedia  – verschiedene Schautafeln und ausgelegtes Informationsmaterial.

 
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