Fotografie - Natur, Kultur und Geschichte
von Gruiten

Von Düssel bis zur Winkelsmühle


Durch das Düsseltal von Schöller nach Gruiten


Auf dem Weg nach Gruiten


Der Weg von Schöller nach Gruiten gehört zu den landschaftlich schönsten Abschnitten entlang der Düssel. Eingerahmt von Feuchtwiesen, Erlenwäldern und mächtigen Buchen hat der Fluss hier genügend Raum, sich ohne menschliches Eingreifen auf natürliche Weise sein eigenes Bett zu schaffen. Schon kurz hinter Schöller entdecken wir eine Gruppe liebevoll restaurierter Fachwerkhäuser. Freilaufende Hühner scharren auf der Suche nach Futter in der Erde, und unter den Ziegeldächern liegen sauber aufgestapelte Holzscheite. Man fühlt sich wie in einem Freilichtmuseum, in dem die Zeit stehen geblieben ist.

Vergänglichkeit und neues Leben

Weiter führt der Wanderweg an uralten Silberweiden vorbei, deren Tage wohl gezählt sind. Baumpilze haben die Stämme bereits erobert, und vielerorts sind Faulstellen zu erkennen. Langsam werden die Weiden zersetzt – doch dort, wo alter Baumbestand vergeht, entsteht zugleich neues Leben.

Unter dem Dach der Buchen

Der schmale Pfad öffnet sich schließlich und schlängelt sich durch einen mächtigen Buchenwald. Die beeindruckende Standfestigkeit der Bäume verdanken sie ihren weit verzweigten Wurzelwerken, die wir staunend bewundern.

Es ist still geworden. An Wochentagen begegnet man kaum anderen Wanderern. Immer wieder gibt es Neues zu entdecken. Mit etwas Glück lassen sich von einer Holzbrücke aus sogar Flusskrebse beobachten. 

Entlang der Düssel

Weiter flussabwärts musste die Düssel einst ein altes steinernes Wehr überwinden, das inzwischen abgerissen wurde. Über eine weitere Brücke gelangt man auf die andere Seite des Flusses. Auch hier beeindruckt eine riesige Baumwurzel, die sich wie ein natürlicher Steg über die Düssel gelegt hat. Links vor uns taucht der Reiterhof Gut Hermgesberg auf. An der Weggabelung besteht die Möglichkeit, durch ein Waldgebiet zur Grube 7, einem ehemaligen Steinbruch, zu gelangen oder dem Wanderweg weiter zu folgen.

Wiesenlandschaft und Golfplatz

Wir entscheiden uns, in der Nähe der Düssel zu bleiben, die nun durch weite Wiesenlandschaften fließt. Ein weiteres Mal queren wir den Fluss und passieren eine Hofanlage. Anschließend folgen wir einem Sandweg entlang des Golfplatzes Haan-Düsseltal, bis dieser an einer schmalen asphaltierten Straße endet. 

Von dort verläuft der Weg erneut direkt an der Düssel entlang. Schatten spendende Weiden säumen beide Uferseiten. Besonders eindrucksvoll erscheint das leuchtende Blütenmeer des Chinesischen Springkrauts auf den Wiesen. Einst als Zierpflanze eingeführt, hat sich die Art mittlerweile stark ausgebreitet. Wegen ihres rasanten Wachstums gilt sie jedoch als problematisch, da heimische Pflanzenarten dadurch zunehmend verdrängt werden.

Auf dem Weg nach Gruiten

Bis zum historischen Gruiten-Dorf ist es nun nicht mehr weit. Wie ein roter Faden begleitet uns die Kalkgeschichte auf dem weiteren Weg entlang der Düssel. Gerade die nähere Umgebung hat darüber viel zu erzählen. Beginnen wollen wir mit dem ehemaligen Kalksteinbruch Grube 7.


Wie ein Freilichtmuseum mit Fachwerkhäusern wirkt diese Ansammlung alter Baukunst auf der Wanderung von Schöller nach Gruiten.


Der Wanderweg nach Gruiten


Die Natur kehrt zurück – der Steinbruch Grube 7


Auf dem Weg zum Steinbruch

Grube 7 liegt eingebettet zwischen Feldern, Wiesen und Wäldern.

Hinter dichtem Grün verbirgt sich ein Betontisch – der sogenannte „Brecher“.

Entstehung eines Kalksteinriffs

Kurz bevor die Düssel Gruiten erreicht, machen wir einen Abstecher zum stillgelegten Steinbruch Grube 7. Die geologische Entstehungsgeschichte gleicht der des Steinbruchs Schlupkothen: Ein Korallenriff aus dem Devonzeitalter vor rund 400 Millionen Jahren bildete die Voraussetzung für die Entstehung dieses Kalkzuges.

Dolomitabbau und industrielle Nutzung

Das Werk der Bergischen Dolomit- und Weißkalkwerke GmbH baute in Grube 7 Dolomitgestein ab. Dolomit ist ein wichtiger Rohstoff zur Herstellung feuerfester Materialien, die beispielsweise in Hochöfen verwendet werden.

Im Jahr 1899 wurde der Betrieb in Grube 7 aufgenommen. Danach wechselte der Besitzer mehrfach, bis die Produktion 1966 endgültig eingestellt wurde. Nach der Schließung wurden die Werksanlagen zurückgebaut. Nur wenige Reste sind heute noch zu erkennen. An der alten Werkstraße, direkt hinter der Schranke, befand sich einst eine Waage. Auf dem Weg zur Grube 7 ist hinter dichtem Grün ein Betontisch zu entdecken – der sogenannte Brecher. Dort zerkleinerte ein Mahlwerk die Kalksteine für den Weitertransport in den Ofen.

Vom Steinbruch zum Freizeitsee

Nach der Stilllegung des Steinbruchs im Jahr 1966 bildete sich ein kleiner Grundwassersee. Besonders Taucher und andere Sportler freuten sich über dieses neue Freizeitangebot. Doch 1987 war damit Schluss. Die Sohlen der umliegenden Kalksteinbrüche wurden immer tiefer, wodurch große Mengen Grundwasser anfielen, die dauerhaft abgepumpt werden mussten.


Impression an der Grube 7.


Naturschutz und Wandel der Landschaft

Der sinkende Grundwasserspiegel wurde schließlich auch dem See in Grube 7 zum Verhängnis. Das Wasser verschwand in den natürlichen Rissen und Spalten des Kalksteins. Zunächst versuchte man, Wasser aus der Düssel in den Steinbruch zu pumpen, doch diese Maßnahme blieb langfristig erfolglos. Aus Sicherheitsgründen und zum Schutz der neu entstandenen Fauna und Flora wurde der Steinbruch schließlich eingezäunt und zum Naturschutzgebiet erklärt. Dennoch ermöglichen gut angelegte Wanderwege an mehreren Stellen einen Blick in die Grube.

Ein Ort zu jeder Jahreszeit

Die Grube 7 ist zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert. Im Frühjahr, wenn die Obstbäume auf den Streuobstwiesen blühen und die zahlreichen Birken ihr erstes Grün zeigen, erhält dieser erhebliche Eingriff in die Natur einen besonderen Charme. Auch der Herbst mit seinen prachtvollen Farben sowie ein schneereicher Winter, der scheinbar alles Leben zum Stillstand bringt, unterstreichen die eindrucksvolle Kraft und Vollkommenheit der Natur.


Das historische Dorf Gruiten


Eine in voller Blüte stehende Obstwiese am Eingang zum Düsseltal.

Rechts mündet der Mühlbach in die Düssel. Aufgrund seiner Nähe und Ähnlichkeit wird er im Volksmund auch „Kleine Düssel“ genannt.

Noch fließt die Düssel nicht in einem eigenen Flussbett. Erst einige hundert Meter weiter im Düsseltal kann sie ihren natürlichen Lauf ungehindert entwickeln.


Mit der Schließung der Grube 7 wurde die Dorfgeschichte von Gruiten im Jahr 1966 neu geschrieben. In den Jahren zuvor war die Kalkindustrie ein prägendes Element des Ortes. Das Dolomitgestein aus der Grube 7 wurde zunächst mit einer Werksbahn, später mit einer Seilbahn und schließlich über eine eigens angelegte Werkstraße durch das Dorf zum Kalkwerk an der Fuhr transportiert. Reste dieser Industrieanlagen sind noch heute an verschiedenen Stellen sichtbar. Für die Bewohner Gruitens war dies sicher eine Belastung, zugleich jedoch war die Kalkindustrie für viele Menschen ein wichtiger Arbeitgeber. So arrangierte man sich mit den Unannehmlichkeiten. Der heutige Besucher bemerkt von der industriellen Vergangenheit kaum noch etwas.

Viele Jahre dauerte es, bis das Dorf sein heutiges Erscheinungsbild erhielt. Fleiß und persönlicher Einsatz machten diese Entwicklung möglich.



Auf der Pastor-Vömel-Straße in der Ortsmitte begegnen wir erneut der Düssel. Hier mündet der kleine Mühlbach in den Fluss. Noch verlaufen beide Wasserläufe getrennt nebeneinander und werden in zwei Kanälen unter der Hauptstraße hindurchgeführt. Für die Düssel wurde vor der evangelisch-reformierten Kirche ein gemauertes Flussbett angelegt, während der Mühlbach hinter der Kirche vorbeifließt. Nur wenige Meter weiter vereinigen sich beide Gewässer. Mit frischem Wasser gestärkt setzt die Düssel ihren Weg ins Düsseltal fort.

Das historische Dorf

Gruiten ist ein Musterbeispiel niederbergischer Dorfarchitektur. Entlang der Dorfstraße stehen zahlreiche hervorragend restaurierte Fachwerkhäuser. Das älteste Gebäude ist das Haus Am Quall („quallen“ bedeutet das Aufstauen von Wasser). Teile des Hauses stammen vermutlich aus dem 14. Jahrhundert. Ursprünglich sollte es abgerissen werden, doch die Gruitener Bürger erkannten seinen historischen Wert und setzten sich erfolgreich für den Erhalt ein. In den Jahren 1978 bis 1980 wurde das Haus Am Quall rekonstruiert und neu aufgebaut.

Der evangelische Teil des Dorfes

Die evangelisch-reformierte Kirche mit ihrem kleinen spitzen Glockenturm wurde 1721 fertiggestellt. Der schlichte Saalbau und die beiden angrenzenden Fachwerkhäuser bilden eine sehenswerte Einheit. Betritt man das Gotteshaus, empfängt einen ein einfacher, zurückhaltend gestalteter Raum. Besonders bemerkenswert sind der geschnitzte Aufgang zur Kanzel sowie der aus einem Eichenstamm gefertigte Opferstock mit Eisenbeschlägen. Ein Jahr nach der Fertigstellung des Glockenturms wurden die Gläubigen erstmals durch das Geläut der beiden Glocken zum Gottesdienst gerufen.

Vor dem Bau der Kirche diente das links stehende Predigthaus als Mittelpunkt der Gemeinde. Es wurde 1682 eingeweiht. In den Jahren zuvor konnten die evangelisch-reformierten Gläubigen ihre Gottesdienste nur im Verborgenen feiern. Ursache dafür waren die Spannungen, die infolge der kirchlichen Spaltung entstanden waren. Erst nach dem Religionsvergleich von 1645 entspannte sich die Situation.

Die Wohnverhältnisse für Pfarrer und Lehrer blieben jedoch lange Zeit unzureichend. Beide mussten sich die rechte Hälfte des Predigthauses teilen. In der linken Haushälfte fanden regelmäßig Gottesdienste statt, während der Unterricht über mehr als hundert Jahre hinweg in der Wohnung des Lehrers abgehalten wurde. Erst mit dem Neubau der Kirche im Jahr 1721 wurde das Predigthaus in ein Schulhaus umgewandelt, in dem die Kinder bis 1906 unterrichtet wurden.

Das Fachwerkhaus auf der rechten Seite ist das Gemeindehaus. Es gelangte 1696 in den Besitz der evangelischen Kirche. Damals handelte es sich um eine mit Stroh gedeckte, stark verfallene Kate, die zunächst bewohnbar gemacht werden musste, bevor der Pfarrer dort einziehen konnte. Im Jahr 1764 wurde das Gebäude bis auf die Grundmauern abgetragen und als Fachwerkhaus neu errichtet. Über zweihundert Jahre diente es der evangelischen Gemeinde als Pfarrhaus. Später stand erneut ein Abriss zur Diskussion. Durch das gemeinsame Engagement von Kirche, Synode, Land und Gemeinde konnte das inzwischen marode Gebäude jedoch gerettet werden.


Das historische Dorf Gruiten

Der katholische Teil des Dorfes

Folgen wir erneut der Pastor-Vömel-Straße bis zur katholischen Kirche St. Nikolaus. Sie ersetzte die alte Kirche aus dem Jahr 1075, die einst auf dem Friedhof stand.

Wegen Baufälligkeit musste die alte Kirche 1894 abgerissen werden; lediglich der romanische Turm blieb erhalten. Die heutige Kirche St. Nikolaus wurde bereits 1879 im neuromanischen Stil fertiggestellt. Aus der Vorgängerkirche übernahm man die Holzfiguren der Heiligen Nikolaus, Augustinus und Suitbertus. Die Figur des heiligen Josef wird auf das Jahr 1853 datiert, die Marienfigur stammt vom Ende des 18. Jahrhunderts. Weitere wertvolle Zeugnisse vergangener Zeiten sind das Pestkreuz aus dem Jahr 1665, als die Pest in Gruiten wütete, sowie die St.-Nikolaus-Glocke von 1521. Eine umfassende Renovierung der Kirche erfolgte 1973.

Am anderen Ende des Dorfes liegt der Friedhof mit dem Turm der alten Kirche St. Nikolaus. Früher war es üblich, Verstorbene auf einer Anhöhe zu bestatten. Die Begräbnisstätte ist von einer Mauer umgeben, die vermutlich aus der Zeit um 1075 stammt. Sie trägt den Namen Welschenmauer. Das Wort „welsch“ bedeutete früher „fremd“, weshalb angenommen wird, dass die Mauer von Fremden errichtet wurde.

Das Doktorshaus

Um wieder zur Düssel zu gelangen, gehen wir auf die gegenüberliegende Seite des Friedhofs zum Heinhauser Weg. Links sehen wir eindrucksvolle Fachwerkhäuser, rechts eine umfangreiche Steinesammlung, die von Gruitener Bürgern zusammengetragen und ausgestellt wurde.
Wenige Schritte weiter stehen wir vor dem wohl interessantesten Fachwerkhaus des Dorfes: dem Doktorshaus. In den Jahren 1981 bis 1982 wurde es aufwendig restauriert und gilt heute als eindrucksvolles Beispiel barocker Fachwerkbaukunst. Errichtet wurde das Haus um 1750 von dem Heilkundigen Dr. Lauterbach, um den sich eine außergewöhnliche Geschichte rankt.

Als der Präsident der Kanzlei in Düsseldorf schwer erkrankte und kein Arzt helfen konnte, gelang es Lauterbach mithilfe seines umfangreichen Wissens über Heilkräuter, den Patienten innerhalb weniger Tage zu heilen. Das Collegium Medicinicum in Düsseldorf erfuhr davon und verlieh ihm daraufhin die Approbation sowie die Promotion zum Doktor der Medizin. Im Jahr 1773 starb Dr. Lauterbach und wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Friedhof in Gruiten beigesetzt.


Durch das Düsseltal zur Winkelsmühle


Auf dem weiteren Weg durch das Düsseltal zur Winkelsmühle bleibt der kleine Fluss stets in unserer Nähe. Durch Gruiten fließt die Düssel noch in einem künstlich angelegten Flussbett, doch kurz hinter der Kläranlage öffnet sich das Tal, und die Düssel erhält endlich den Raum, den sie verdient. Das heutige Düsseltal beeindruckt mit einer imposanten Naturkulisse. Durch gezielte Naturschutzmaßnahmen bemüht man sich, die Ursprünglichkeit dieser Landschaft zu bewahren. So haben unter anderem Graureiher und Wasseramseln an der Düssel wieder eine Heimat gefunden. Das war nicht immer so.

Die Kalkindustrie

Noch im vergangenen Jahrhundert war dieses wunderschöne Tal fest in der Hand der Kalkindustrie. Während dieser Zeit verlief der Wanderweg entlang der Düssel auf einer ehemaligen Eisenbahntrasse. Kalksteine wurden mit Lorenbahnen zu den Kalköfen an der Fuhr transportiert und dort gebrannt. 1966 wurde der Betrieb eingestellt; zwei Jahre später wurden die Anlagen gesprengt und demontiert.

Bereits im 16. Jahrhundert – vermutlich schon früher – bauten Bauern im Düsseltal Kalkstein ab. Dies belegt eine Urkunde aus dem Jahr 1670. Darin wird auch der Trichterofen Huppertsbracken erwähnt („Bracken“ bedeutet Brechen von Kalkstein).

Die Arbeitsbedingungen waren damals äußerst hart. Mit einfachen Werkzeugen wie Hammer und Meißel wurden die Steine mühsam aus den Felswänden gelöst. Im Laufe der Zeit änderten sich jedoch die Methoden. In den großen Steinbrüchen bei Gruiten übernahmen schwere Maschinen die Arbeit. Es wurde gesprengt, und lange Förderbänder transportierten den Kalkstein aus den Gruben nach oben. Anschließend wurden die Steine zerkleinert und zunächst mit Seilbahnen und Eisenbahnen, später mit großen Muldenkippern zu den Brennöfen gebracht.

Eine alte Fußgängerbrücke führte über die Düssel. Nach dem Mittagessen in der Gaststätte „Im Kühlen Grunde“ trank man auf dieser Brücke zur besseren Verdauung häufig noch einen Schnaps. Daher wurde sie im Volksmund „Schnapsbrücke“ genannt.

Das Gebäude diente einst als Kantine und Pension für die Kalkarbeiter. Heute befindet sich dort die Gastwirtschaft „Im Kühlen Grunde“, die bei Ausflüglern und Gästen gleichermaßen beliebt ist und regionale Gerichte serviert.

Zu sehen sind die Reste der ehemaligen Eisenbahnbrücke. Die Schienen wurden abgebaut und in handliche Stücke zersägt. Einige von ihnen finden heute noch Verwendung, beispielsweise als Zaunpfähle entlang der Straße zum Kühlen Grunde.


Die Steinbrüche im Düsseltal selbst waren kleiner, sodass die Natur weniger stark beeinträchtigt wurde. Nachdem die Brüche stillgelegt worden waren, konnte sich die Landschaft weitgehend erholen. Ohne genaue Ortskenntnisse sind die ehemaligen Steinbrüche heute kaum noch zu erkennen. Nur steile Felswände oder verrostete Schilder mit der Aufschrift „Betreten verboten“ erinnern noch an die früheren Abbaustellen.

Die Natur im Düsseltal

Durch die besondere Bodenbeschaffenheit im Talbereich der Düssel finden nur angepasste Baumarten günstige Wachstumsbedingungen. Im feuchten Uferbereich gedeihen vor allem Erlen und Weiden. Auf den trockeneren Böden folgt die Esche. An den Hängen hat sich im Laufe der Jahre ein prächtiger Mischwald entwickelt.

Das dichte Blätterdach von Bäumen und Sträuchern sorgt selbst in den Sommermonaten an vielen Stellen für angenehmen Schatten und Kühle. Kleine Tümpel, Feuchtwiesen und Auenwälder sind erhalten geblieben und bilden wichtige Lebensräume für zahlreiche Kleinlebewesen wie Frösche, Eidechsen und Ringelnattern.

Eine weitere bedeutende Rolle im natürlichen Gleichgewicht spielen die Wiesenflächen des Düsseltals. Von April bis Juni wachsen dort Gräser und Wildblumen, die zahlreichen Insekten und anderen Tieren als Nahrungsgrundlage dienen.

Huppertsbracken

Auf dem weiteren Weg durch das enge Tal gelangen wir zum teilrestaurierten Trichterofen Huppertsbracken, der 1984 restauriert wurde. Dieser Kalkofen wurde erstmals 1672 urkundlich erwähnt. Um die Transportwege möglichst kurz zu halten, errichtete man ihn direkt vor einem Steinbruch, der inzwischen vollständig von der Natur zurückerobert wurde.

Die Funktionsweise des Ofens

Zunächst wurden abwechselnd Steinkohle und Kalkstein in den Trichter des Ofens gefüllt. Anschließend entzündete man unten am sogenannten Mundloch ein Feuer. Der Ofen musste nun mehrere Tage und Nächte gleichmäßig befeuert werden, um Temperaturen zwischen 900 °C und 1200 °C zu erreichen.

Die anschließende Abkühlphase dauerte etwa eine Woche. Erst danach konnte der Ofen ausgeräumt werden. Dabei entstand gebrannter Kalk, der vielseitig im Alltag verwendet wurde. Damals benötigte man Kalk unter anderem als Wandfarbe, als Mörtel für den Hausbau oder zum Düngen der Felder.


Wandererlebnisse im Neandertal


Winkelsmühle

Nach einigen hundert Metern macht die Düssel einen Bogen. Im Laufe der Zeit entstand an dieser Stelle ein Auenwald – ein Feuchtgebiet und wertvoller Lebensraum für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten. Kurz darauf erreichen wir einen großen Teich, hinter dem bereits die Winkelsmühle zu erkennen ist.

Unter diesem Namen wurde die Mühle erstmals 1483 urkundlich erwähnt. Während der Kriegswirren des 17. Jahrhunderts erlitt sie schwere Schäden. Nach einem Brand im Jahr 1971 wurde das Gebäude vollständig renoviert. Heute befindet sich die Mühle in Privatbesitz.

Eine Besonderheit ist das große Wasserrad, mit dessen Hilfe über einen Generator Strom erzeugt wird. Noch zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts war die Winkelsmühle ein beliebtes Restaurant. Der Besitzer warb damals mit folgender Anzeige:

  • „Große Forellen- und Karpfenzucht. Ausgedehnter Gondelteich, elektrisches Licht, Saal mit neuem Hupfeld-Orchestrion. Guter Kaffee, helle und dunkle Biere sowie Weine von vorzüglicher Qualität.“

Später, in den 1930er Jahren, diente der große Teich vor der Mühle sogar als Naturstrandbad.

  • Anmerkung: 
  • Das Grundstück der Winkelsmühle befindet sich in Privatbesitz. Der frühere Wanderweg musste daher verlegt werden und führt nun in einem Bogen an der Winkelsmühle vorbei. Ein kleiner Nachteil dabei ist, dass der schöne Blick auf das alte Gebäude nicht mehr möglich ist.
  • Im Bereich Winkelsmühler Weg / Bracken fanden Ende 2020 umfangreiche Baumfällarbeiten statt. Nach Rücksprache mit dem zuständigen Amt wurde mir mitgeteilt, dass diese Maßnahmen unumgänglich waren, da zahlreiche Bäume erkrankt waren und somit eine Gefahr für den Straßenverkehr darstellten.


Bitte lesen Sie weiter "Die Düssel - Teil 3"




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Bürgerverein Wülfrath-Düssel e.V: Ein historischer Spaziergang durch Düssel, 2003 –  Eggerath, Hanna, Irene Markowitz (†): Im Gesteins, 2. ergänzte und überarbeitete Auflage 2012, Eigenverlag Bergischer Geschichtsverein e. V., ISBN 978-3-925626-39-5  –  Ewenz, Gabriele (Hrsg.), Autobiographische Schriften, in: Johann Wilhelm Schirmer. Vom Rheinland in die Welt, Bd. 2, Petersberg 2010, S. 67  –   Förderverein Haus Am Quall e.V., Arbeitskreis Kultur- und Heimatpflege, Kalkspuren  –   Mettmanner Zeitung 1887  –  Reising, Paul: Neues vom Eulenkopfweg, Wuppertal, Born-Verlag 1994, ISBN 3-87093-068-3  –  wikipedia  – verschiedene Schautafeln und ausgelegtes Informationsmaterial.

 
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