Mein erster Kontakt mit Norwegen
der Beginn einer lebenslangen Begeisterung
Reiseabenteuer 1960
Sechs Freunde hatten 1960 einen großen Traum: die Olympischen Spiele in Rom zu besuchen. Doch das Geld reichte nicht – und so begann unsere Reise gen Norden, die uns nach Norwegen führte und die Grundlage für unsere lebenslange Faszination für dieses Land legte.
Von Rom nach Oslo
Der Traum von Rom platzte – zu teuer. Stattdessen stand plötzlich Norwegen im Raum. Wir bekamen die Möglichkeit, im Garten eines Nonnenklosters in Oslo zu zelten. Bahn und Flugzeug waren zu teuer, also blieb nur ein Frachtschiff. Nach einigen Briefen an die Bürgermeister von Bremen und Hamburg hatten wir Glück: Eine Reederei bot uns an, bis Oslo mitzunehmen – im Tausch gegen die Arbeit eines Schiffsjungen: Messing putzen, Deck schrubben, Kabinen reinigen.
Unsere Eltern mussten zustimmen und Reisepässe beantragt werden – wobei ein Beamter erstaunt fragte: „Warum Norwegen? Dort ist es doch immer kalt, und Eisbären gibt es auch.“
Eine Fahrt ins Ungewisse
Endlich ging es los: Mit Rucksack und wenig Ahnung von dem, was uns erwartete, machten wir uns auf den Weg. Ein Nachtzug brachte uns nach Bremen, wo wir das Küstenmotorschiff „Bremer Flotte“ fanden. Nachdem wir unsere Schlafplätze bezogen hatten, verbrachten wir die Zeit an Deck und beobachteten das geschäftige Treiben.
Mitternacht: „Leinen los!“ – und unser Abenteuer begann.
Schon bald zog ein Sturm auf. Kurz vor Helgoland erwachte ich – und die Seekrankheit hatte uns fest im Griff. Zwei Tage lang kämpfte sich das Küstenmotorschiff durch schwere See bei Windstärken von 9 bis 10. Viel Zeit verbrachten wir am Heck, halb geschützt.
Erst im Oslofjord kehrten meine Erinnerungen zurück. Dort konnten wir schließlich auch unsere Aufgaben erfüllen und Messing putzen.
Die Tage in Oslo
Im Kloster „Unserer Lieben Frau“ schlugen wir im Garten unsere Zelte auf. Im Austausch für Gartenarbeit erhielten wir täglich Essen – eine einfache und günstige Lösung.
So blieb genug Zeit, Oslo zu erkunden: die Halbinsel Bygdøy mit ihren Museen, das Rathaus, den Frognerpark und die Skisprungschanze am Holmenkollen – nur einige der vielen Eindrücke.
Wie ging es weiter?
Unsere Zeit in Oslo ging zu Ende – und wir wollten mehr erleben. Spontan stiegen wir in einen Zug Richtung Norden, mit dem Ziel: Lom. Unterwegs trafen wir Studenten, die uns eine Wanderkarte der norwegischen Touristenvereinigung (DNT) schenkten. Sie wurde zum Auslöser für ein neues Abenteuer: eine Wanderung durch Jotunheimen.
Völlig unerfahren und schlecht ausgerüstet machten wir uns auf den Weg – mit Halbschuhen, Schlafsack und einfachen Zeltbahnen. Auch an Verpflegung hatten wir kaum gedacht. Unsere Hoffnung: unterwegs Hütten zu finden.
Jotunheimen
Von Lom aus wanderten wir nach Galdesand. Dort standen wir vor der Wahl: Jugendherberge oder weiter zur hochgelegenen Hütte „Juvashytta“. Wir wählten den Aufstieg – ein Fehler, wie sich zeigte.
Über 1.300 Höhenmeter lagen vor uns, bei Regen, Kälte und schwerem Gepäck. Schritt für Schritt kämpften wir uns hinauf, motivierten uns
gegenseitig und erreichten völlig erschöpft erst spät am Abend die Hütte. Der Hüttenwirt konnte nur den Kopf schütteln.
Am nächsten Morgen strahlte die Sonne. Der Hüttenwirt fragte, ob wir den Galdhøpiggen besteigen wollten. Unsere Bedenken wegen fehlender Ausrüstung wischte er beiseite – alles wurde gestellt.
Die Strapazen des Vortags waren schnell vergessen. Angeseilt und geführt ging es über Eis, Schnee und Gletscher auf den höchsten Berg Norwegens. Oben, auf 2.469 Metern, wurden wir mit einem atemberaubenden Blick über die Gipfel des Jotunheimen belohnt – ein unvergesslicher Moment.
Der Rückweg
Unsere Reise führte weiter nach Årdal und von dort mit dem Schiff durch den Sognefjord nach Flåm. Erschöpft verschliefen wir die Fahrt – und verpassten leider die beeindruckende Landschaft.
Von Flåm ging es mit der Flåmsbahn nach Myrdal und weiter über die Bergenbahn nach Bergen. Dort bestiegen wir eine Fähre nach Stavanger – endlich wieder eine warme Koje, ein kleiner Luxus nach all den Strapazen. Mit dem Zug reisten wir weiter nach Kristiansand, wo uns ein Schwesterschiff der „Bremer Flotte“, die „Bremer Börse“, bis nach Bremerhaven brachte. Die letzte Strecke nach Hause legten wir getrampt zurück.
Ein unglaubliches Abenteuer ging zu Ende – die Erinnerungen daran sind bis heute lebendig geblieben.
Norwegen heute
Heute ist es leicht, die nördlichen Länder Europas zu bereisen – dennoch hat Norwegen seine Faszination nicht verloren. Als Fotografen nutzen wir Licht, Wetter und Jahreszeiten, um Naturschauspiele in Bildern festzuhalten. „Norwegen – der Weg gen Norden“ ist für uns mehr als ein Satz, es ist Programm.
Die Landessprache öffnet Türen und Herzen – und Norweger sind gastfreundlich, tolerant und traditionsbewusst. Feste werden in alter Tradition gefeiert: Bunad, Folklore und Volkslieder erleben eine Renaissance. Besonders wichtig ist der 17. Mai, der Tag der norwegischen Verfassung, der mit farbenprächtigen Umzügen im ganzen Land begangen wird.
Copyright Text und Fotos E. u. P. Westerwalbesloh





























